Dienstag, 10. März 2020

Die VÖ/PÄ - ein Mehrteiler .... 1. Teil

Ein Mehrteiler. Ist eigentlich viel zu harmlos ausgedrückt. Eigentlich müsste es heißen ein Drama in mehreren Aufzügen. Ein Drama ist es in der Tat. Denn es zeigt einen nur zu gut was für ein schlimmes System dast veraltete TSG nun einmal ist. Was recht zügig begann, also die Zeit zwischen Antragstellung und Anhörung verlangsamt sich nun zusehends. Ich zahlte den fälligen Anzahlungsbetrag am Tag nach der Anhörung ein, musste dennoch zwei Wochen warten bis die Post vom Gericht da war. Dann dachte ich schon, ich hab Glück, das erste Gutachten ist gerade Mal 12 Tage später. Nach zwei Tagen warten bekam ich von zweiten Gutachter Herrn Karlheinz H. diese Mitteilung, das der Termin bei ihm am 1.7.2020 ist. In vier Monaten. Was ist das denn für ein Wahnsinn??? Normalerweise wartet man ein bis zwei Monate, wenn es lange dauert sind es drei Monate. Aber 4 Monate warten müssen ist fast unerträglich. Es ist ja nicht so, das dieses Verfahren so schon eine ziemliche Belastungsprobe ist, aber das ist schon mehr als schlimm. Vor allem wenn man mit hinzunimmt, dass ja auch das Gutachten geschrieben werden muss. Wenn er da auch lange braucht, wird wird es August bis das bei Gericht ist. Das ist dann in der Urlaubszeit. Wer weiß wann das dann jemand anfasst.
So wie es aussieht ist das Verfahren vielleicht im September / Oktober abgeschlossen.
Jetzt hatte ich am 9.2.2020 meinen ersten Gutachter Termin. Das war jetzt selbst nichts besonderes, ein lockeres Gespräch, zu dem ich auch ganz entspannt hin gegangen bin. Vorher musste ich noch einen Fragebogen zur Transsexualität ausfüllen (was ich so fühle ect.) Nach dem Gespräch bei dem Psychiater musste ich noch Fragen aus einem Fragebogen zur Familie, Beruf und aktueller Situation beantworten. Und am Schluss gab's noch den allseits beliebten Rohrschach-Test. Der Gutachter teilte mir noch mit das er ein mir ein positives Gutachten ausstellen wird. Er fand es auch ganz erstaunlich gut, wie ich als Frau auftrete, selbstsicher und authentisch. Auch von meiner Stimme war er überzeugt. Das war der richtig schöne und positive Teil der Veranstaltung.
Die Kehrseite der Medaille ist, er muss gerade noch 6 weitere Gutachten schreiben und es wird wohl erst nach den Bayerischen Osterferien  ab dem 20.4.2020. sind ja auch "nur" noch 42 Tage. Das ist doch nur noch Verarschen durch dieses System. Richtig dumm ist ja für mich, dass ich eines der Gerichtsgutachten für die Klinik brauche, weil ich sonst keinen Termin für die OP bekommen kann. Das ist eh zweifelhaft dass die auch noch dieses Gutachten haben wollen, dafür gibt es keine gesetzliche Grundlage. Da genehmigt die Kasse die OP und das genügt dem Krankenhaus trotzdem nicht. Das kann doch eigentlich nicht wahr sein. Aber es hilft ja nichts, sie sitzen am längeren Hebel. 
Und ich? Ich war schon lange nicht mehr so frustriert und depremiert wie jetzt. Und das setzt wieder eine Gedankenspirale in Gang, die sehr dunkel ist. Da kommen wieder alle Unzulänglichkeiten hoch, die unerfüllten Wünsche in die HRT, die in einigen Bereichen nicht die erhoffen Veränderungen bringt (das was sich wirklich positiv geändert hat zählt da plötzlich nicht mehr). Es fällt das alleine sein wieder sehr stark auf, die Einsamkeit, das Gefühl des total verlassen seins. Es gibt ja auch nichts, was mich im Moment davon ablenken kann. Früher gab es Ablehnung. Als ich mit meiner Ex-FrauFrau zusammen wohnte, da gab es immer irgendwas, dann gab es die Urlaube aber das ist dieses Jahr auch so gut wie ausgeschlossen. Dann kam der Umzug mit dem ich gut beschäftigt war. Aber jetzt bin ich fertig damit. Mein Leben ist halbwegs normal und ziemlich ruhig geworden. Diese jetztige Anspannung, verursacht durch die vier monazige Wartezeit ist für mich Psychostress pur. Es beschäftigt mich ständig und zieht mich immer mehr nach unten. In der Art kann ich mich schlecht konzentrieren, Zuhause bin ich total erschöpft, das ich um 20 Uhr auf dem Sofa einschlafe, um 23 Uhr ins Bett komme, dort nicht gut einschlafe und oft nur noch 4 Stunden schlafe. Es macht mich zur Zeit wirklich krank. Und nach außen muss ich spielen, als ob nichts wäre. Es ist nicht schön so hilflos und diesem System ausgesetzt zu sein. Das sich etwas an dem Verfahren ändern wird, ist fast ausgeschlossen. Wenn man transsexuel ist, ist man nicht krank, aber das System macht dich krank.

Donnerstag, 27. Februar 2020

Auf dem Weg zur GAOP 2

Nachdem ich tatsächlich Mal wieder etwas ruhiger geworden war, machte ich mir Dienstag und Mittwoch zunehmend wieder dumme Sorgen, weil ich noch immer keine Post vom Gericht bekommen hatte. Was wenn die Überweisung nicht zugeordnet werden könnte, wenn sie verloren gegangen ist und so weiter... Um so größer war die Freude, als ich abends im Briefkasten zwei lang ersehnte Briefe fand. Es kamen beide gleichzeitig, das Schreiben der Krankenkasse und das Schreiben des Gerichts. Ich war so erleichtert und glücklich das endlich alles da war, damit es weiter gehen kann. Heute dann rief ich bei beiden an. Der eine schickt mir was per Post und den anderen sehe ich schon in 11 Tagen. Eines der beiden Gutachten benötigt auch die Klinik in Bogenhausen. Dann geht's auch dort weiter... Ach ich bin so froh und erleichtert.

Dienstag, 25. Februar 2020

Auf dem Weg zur GAOP

Vor fast zwei Wochen habe ich meine Zahlung für das VÄ/PÄ Verfahren und den Antrag für die GAOP bei meiner Krankenkasse abgegeben. Die ersten Tage danach war ich sehr ruhig, weil ich endlich den Druck los war, all die Unterlagen zusammen zustellen und fertig zu machen. Ich muss ja jetzt nur noch auf die Post warten. Das aber wurde mit der Zeit dann doch wieder zum Proben. Weil je mehr Tage vergehen, an denen der Briefkasten leer bleibt, steigert meine Unruhe und ich mache mir immer mehr Gedanken. Ich weiß, das dir Anträge bei der Krankenkasse lange dauern und damit hab ich mich arrangiert. Aber bei dem Brief vom Gericht mache ich mir schon mehr Gedanken, weil mir gesagt wurde, der würde gleich geschrieben, wenn das Geld für das Verfahren überwiesen ist. Nun laut Kontoauszug ist das Geld, das ich am Tag der Anhörung gleich überwiesen hatte am nächsten Tag auf den Konto der Justiz Kasse war. Nun jeden Tag an dem nichts kommt macht mich nervöser. Am letzten Wochenende war es besonders schlimm, und weil ich die ganze Woche davor kaum geschlafen hatte, war ich das ganze Wochenende total müde und hab trotzdem schlecht geschlafen. Am Rosenmontag wachte ich gegen drei Uhr morgens auf und konnte kaum mehr schlafen.
Ziemlich unausgeschlafen fuhr ich zur Arbeit. Gegen 9:30 klingele mei Smartphone. Münchner Nummer. Ich hatte keine Ahnung wer das sein könnte. Ich hatte für diesen Tag vor ein paar Tage einen weiteren Termin in München in einer anderen Klinik vereinbart und wieder abgesagt. Könnte es sein, dass die Absage nicht geklappt hatte hat sie mich vermissen? Ich stand auf und ging aus dem Großraum Büro in das Treppenhaus. Muss ja nicht jeder gleich mithören. Ich ging ran. Es war Meine Krankenkasse. Ich habe dich einen Antrag gestellt für die GAOP. Mir sackte das Herz in die Hose. Das was danach folgte war fast wie in Trance. Sie lobte meinen ausführlichen Antrag, den Lebenslauf und dass alle Unterlagen da waren und das sie mich vorab telefonisch darüber informieren wollte, das der Antrag genehmigt wurde. Ich war fassungslos vor Glück. Zuhören durfte mir keiner. Ich hab nicht bestimmt tausend Mal bedankt. Und hab zu heulen angefangen. Es war einfach unbeschreiblich. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich hab so lange darauf gewartet. Und nun ist mein großer Traum wahr geworden. Endlich hab ich die Chance bekommen endlich ganz ich zu sein. Ich ging nach dem Gespräch zurück zu meinem Platz. Ich weiß nicht was ich dabei für Geräusche mache und wie ich dabei aussah, aber eine Kollegin hatte es gesehen und kam ganz besorgt zu mir, und fragte ob es mir gut ginge. Ich sagte es ist alles gut. Sie sah mich ungläubig an. Ich sagte ihr das ich die beste Nachricht erhalten hatte überhaupt und sagte ihr um was es ging. Sie beglückwünschte mich. Ich war den Rest des Arbeitstages nicht mehr in der Lage etwas ernsthaftes zu tun und so fuhr ich um drei nach Hause, glücklich wie nie. Ich kann kaum ausdrücken, was das für mich bedeutet und was für eine riesige Last mir genommen wurde. Der Brief vom Gericht ist übrigens noch nicht angekommen... 

Dienstag, 18. Februar 2020

Beginn des Verfahrens zur Vornamens-und Personenstandsänderung

Am Montag Morgen, dem ersten Werktag nach der Scheidung warf ich meinen Antrag zur Vornamens-und Personenstandsänderung beim zuständigen Amtsgericht in Nürnberg ein. Ich war froh und glücklich, das endlich getan zu haben, nach all den endlosen Jahren. Und was war ich freudig überrascht, dass ich schon am Samstag der selben Woche die Ladung vom Gericht zum Anhörungstermin dazu erhalten hatte. Und der war genau eineinhalb Wochen später. Nie hätte ich damit gerechnet, dass das so schnell gehen würde.
In der Zeit bis zum Termin machte ich mich einen zur Blutabnahme aus, weil ich ja parallel den Antrag für die GAOP für die Krankenkasse machte. Und mein letzter Hormon-Check war im Oktober. Gleichzeitig machte ich auch wieder den jährlichen Gesundheitscheck.  Ich war Mal wieder damit beschäftigt tausend Mal die Unterlagen für die Krankenkasse zusammen zu sortieren und den Antrag zu formulieren... Gut am Sonntag hatte ich das fertig und tütete alles ein, bis auf die neuen Laborwerte, die bekam ich am Mittwoch.
Am Tag der Anhörung, einem Dienstag schlief ich wieder schlecht, zu aufgeregt war ich. Der Termin war um 10:40. Ich fuhr mit meinem Auto und Bahnhofsparkhaus und von dort mit der U-Bahn zum Gericht. Der Termin fand an einem anderen Stadt statt, nicht da wo ich den Antrag abgegeben habe, sondern in der Fürther Straße.
Im Gerichtsgebäude finden Zugangskontrollen wie am Flughafen statt. Das heißt Jacken ausziehen, Uhr und Gürtel runter und mit der Handtasche durchleuchten lassen. Natürlich hat es bei mir trotzdem gepiept. Also wollte der junge uniformierte von mir meine Vorladung und meinen Personalausweis sehen. Ich hab ihm das mit dem Ergänzungsausweis gegeben. Das dumme war nur, das er den nicht kannte und darauf bestand, dass ich nicht der auf dem Ausweis und der Vorladung bin. Das versuchte ich zu erklären, ein paar Mal, ich ließ ihn dann auch den Grund für die Vorladung lesen. Eine seiner Kolleginnen schritt dann ein mit "lass Mal gut sein, das ist schon richtig so". Sie tastete mich dann ab, dem Herrn Kollegen war das dann sichtlich peinlich und er verabschiedete mich noch mehrmals sehr freundlich....
Ehrlich gesagt, hat mich das ganze mehr gefreut, weil ich von ihm nur als Frau wahrgenommen wurde.
Dann ging ich hoch in den ersten Stock und machte mich auf den Weg zum Zimmer des Richters. Die Anhörung macht der Oberste Richter am Amtsgericht, der Präsident des Amtsgerichts. An seiner Tür stand, dass man sich in seinem Vorzimmer anmelden muss. Ich musste, weil ich wieder sehr früh dran war noch ca. 40 Min bis zu meinem Termin warten. Ich suchte mir eine Bank und saß auf der gleichen Bank auf der ich und meine Ex vor der Scheidung gesessen waren... Dann war es auch schon an der Zeit und ich ging zurück zu dem Vorzimmer. Dort wartete ich nur ganz kurz, dann holte mich der Richter auch schon ab. Er war ein sehr freundlicher Richter. Er erklärte mir kurz den Ablauf des Gespräches und wollte dann bin mir einiges zu meinem Leben erfahren. So erzählte ich in groben Zügen mein bisheriges Leben als Transsexuelle, wie es angefangen hatte, über Jugend, Studium Beruf, Ehe einfach über alles etwas.. Hier und da fragte er nach. Alles in allem war es wirklich ein sehr angenehmes Gespräch. Danach erklärte er mir wie es nun weiter geht und wir einigten uns gemeinsam auf die zwei benötigen Gutachter. Am Ende stellte er mir noch einen Beschluss aus, aufgrund dessen ich die Anzahlung für das Verfahren bezahlen sollte. Wenn das Geld verbucht wurde werden die Gutachter und ich schriftlich informiert und ich kann die Termine bei diesen aus machen. Wenn beide Gutachten bei Gericht sind wird mir eine Kopie dieser Gutachten zugeschickt, dann habe ich zwei Wochen Zeit zur Stellungnahme. Melde ich mich nicht in dieser Zeit wird mir der Beschluss ca. zwei Wochen später zugestellt... Er meinte, das ganze Verfahren wird ca. ein halbes Jahr dauern. Dann war der Termin auch schon wieder zu Ende. Wenn also alles klappt, sehe ich den Richter also nicht noch einmal.
Nach dem Termin hielt ich an einer Filiale meiner Bank an und warf die Überweisung mit dem Betrag von 1.500 Euro ein. Dann fuhr ich gut gelaunt in die Arbeit.

Am nächsten Tag hatte ich Urlaub genommen. Ich fuhr morgens zum Hausarzt. Dort bekam ich die Ergebnisse vom Bluttest und machte den Rest des Gesundheitschecks. Sowohl die Hormonwerte als auch alles andere ist in Ordnung. Im Auto legte ich den Ausdruck der Blutwerte meinem Antrag für die Krankenkasse bei und fuhr anschließend zu ihr. Dort gab ich meinen Antrag persönlich ab und fuhr nach Hause. Dort viel von mir so viel Druck ab. Endlich war ich alles los und hatte alles getan was ich tun konnte. Ab jetzt brauche ich viel Geduld und genauso viel Glück. Ich kann jetzt nur noch hoffen, dass alles so wird wie ich es mir wünsche.

Der Vorgesprächs Termin in München

Die Tage vor dem Termin in München wurde ich doch leicht nervös und in der Nacht vor der Fahrt habe ich dann auch fast nicht geschlafen. Ich hatte am Abend zuvor schon alles was ich anziehen wollte und was ich so brauchte heraus gelegt. Ich hab mehrmals meine Unterlagen angeschaut und x Mal auf meine Fahrkarten.... Als ich dann auf stand war die Nervosität wie weg und ich freute mich nur noch auf den Termin. Ich fuhr mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof, wo ich eine Stunde vor Abfahrt war, damit ich ja nicht zu spät am Bahnhof wäre. Ich hatte ein Supersparpreis Ticket gebucht für den ICE. Und nach einer Stunde war ich pünktlich in München. Da der Bahnhof dort gründlich umgebaut wird musste ich erstmal den Weg auf die andere Seite zu einem Kaufhaus finde. Ich hatte ja auch hier in München reichlich Pufferzeit Bus zum Termin in Bogenhausen eingeplant und ging so noch ein wenig in das Kaufhaus gegenüber. Dann war es an der Zeit und ich fuhr mit der U-Bahn nach Bogenhausen. Das Wetter war wunderschön, strahlend blauer Himmel, relativ war für Ende Januar. Auch hier blieb noch etwas Zeit. So schaute ich mir die Klinik in der die OP stattfindet von außen an. Der Vorgesprächstermin fand nicht weit davon entfernt in einem anderen Gebäude statt. Die Anmeldung ging schnell und freundlich und dann wartete ich keine 5 Minuten, Bus mich der Arzt abholte und zu seinem Zimmer mit nahm. Es war ein sympathischer junger Arzt, der mir die ganzen Schritte der OP ausführlich erklärte, Bilder die während eine OP gemacht wurden zeigte. Es folgte noch die obligatorische Aufklärung über die Risiken der OP und eine Inaugenscheinnahne der zukünftigen Baustelle. Auch meine Fragen wurden ausführlich beantwortet. Ich bekam dann auch gleich die notwendigen Unterlagen für die Krankenkasse mit. Und dann war ich auch schon fertig. Richtig glücklich bin ich mit der U-Bahn wieder in die Münchner Innenstadt zurück gefahren. Da mein Zug erst kurz nach 19 Uhr zurück nach Nürnberg fuhr hatte ich noch viel Zeit zum shoppen, wobei ich hier nur schaute und tatsächlich nur mit einem Loopschal zurück fuhr. Ich lief sehr viel durch die Innenstadt, ging erst spät Mittagessen, wo ich mir viel Zeit ließ. Später setzte ich mich nochmal recht lange in ein Kaufhauscafé weil der Körper einfach müde und kaputt war. Die schlaflosen Nächte und das viele Laufen erforderten eine ausgiebige Pause. Als ich um 21 Uhr wieder Zuhause war, war ich so überwältigt das ich nun endlich alles zusammen hatte, was ich für die Krankenkasse brauchte, das ich vor lauter Glück erstmal ziemlich viel Papiertaschentücher sehr nass gemacht habe. Schlafen konnte ich auch erst nach 1 Uhr....

Auf dem Weg

Ich hab ja schon einige Zeit nichts mehr zum Thema Transsexualität geschrieben. Nun vieles ist bei mir einfach normal geworden. Sehr normal. Ich lebe halt einfach mein Leben so weiter, jetzt endlich als Frau. Das heißt 24 Stunden am Tag 7 Tage die Woche. Und wie seit mehr als 2 Jahren gehe ich alle 2 bis 4 Wochen zu meiner Therapeutin. Aber nun bin ich mehr als einen Schritt weiter. Ich hab von der Therapeutin den Therapiebericht erhalten. Einen Bericht, der alles enthält über mich und meinen Werdegang in den letzten 2 Jahren und das ich mit der Therapie allein es nicht schaffe meine Dysphorie zu überwinden, sondern dass nur die Geschlechts-angleichende Operation dies erreichen kann und diese bei mir anzuraten ist. Von meinem Psychiater habe ich ein gutachterliches Indikationsschreiben (11 Seiten) bekommen, in den viel über mich steht und am Ende auch festgestellt wird, das Transsexualität vorliegt, die Möglichkeiten der Therapie ausgeschöpft sind und zur Minderung oder gar zum beenden meines großen Leidensdrucks die GAOP erforderlich ist. Ich hatte dieses Gutachten nur zwei Tage nach meinem Besuch an einem Samstag erhalten. Ich kann kaum beschreiben, wie emotional mich diese beiden Schreiben mitgenommen haben und ich habe mir eine kleine Auszeit genommen um die nächsten Schritte anzugehen. Ich war einfach überwältigt von meinen Gefühlen. Jahre lang hatte ich nur davon geträumt. Und jetzt hatte ich es bis hier her geschafft. Noch Datum kam dann der immer näher ruckende Scheidungstermin. Nach meiner kleinen Auszeit habe ich dann in München bei drei Kliniken angerufen, die für mich für die OP in Frage kämen. Die ersten, die ich erreichte boten mir einen Beratungstermin Mitte Mai an. Ich bin ja schon einiges gewohnt was Termine bei Fachärzten anbelangt, aber das ist schon heftig. Bei der nächsten Klinik hatte ich richtig Glück. Da hatte jemand seinen Termin abgesagt und so bekam ich innerhalb von zwei Wochen meinen Termin. Bei der letzten Klinik hab ich einen Termin Ende Februar bekommen, das ist auch OK.

Mittwoch, 1. Januar 2020

Mein Jahresrückblick

2019 ist vorbei. Es war wohl das ereignisreichste Jahr für mich überhaupt. Es ist viel passiert. Leider begann es gar nicht gut. Mein Schwiegervater verstarb unerwartet. Das war wohl das traurigste Ereignis seit langem. Ich habe ja ein riesiges Glück mit meinen Schwiegereltern gehabt...
Für mich selbst bedeutete das, dass ich mich selbst wieder zurück nehmen musste. Ich hatte ja im November 2018 den Termin beim Endokrinologen ausgemacht aber meiner Frau davon nichts gesagt. Ja, rückblickend war das alles nicht gut, aber ich habe immer gehofft, das wir uns nicht trennen werden und hab immer gehofft, dass sich meine Frau doch mit mir arrangieren  kann. Gut, ich habe dann trotzdem weiter gemacht, heimlich wie immer, aber immer mit einem schlechten Gefühl. Als ich dann den Termin beim Endo hatte, war das so eine Mischung aus Erleichterung und einem riesigen Glücksgefühl. Allerdings musste ich noch ein paar Wochen auf die Laborergebnisse warten. Dann endlich bekam ich mein Rezept. Die erste Einnahme erfolgte vollkommen unspektakulär am Arbeitsplatz. Innerlich musste ich lachen, als ich daran dachte was die Kollegen wohl denken würden, wenn sie davon wüssten. Dann folgte die Teilnahme auf der Messe in München. Hier merkte ich die ersten Tage das sich in mir etwas ändert, ich hatte morgens so ein schwirren im Kopf, nicht wie schwindelig, ähnlich aber doch anders. Bis sich die ersten körperlichen Änderungen einstellten sollten noch ein paar Wochen vergehen. Im Mai fuhren meine Frau und ich für eine Woche auf die Insel Usedom in Urlaub. Hier fingen die Wachstumsschmerzen an und schlimm war es auf der Heimfahrt... Im Juni erzählte ich meiner Frau davon. Wir lebten trotz dem weiter, als ob nichts wäre und das gab mir wieder Mut, dass alles gut wird. Im Juli machten wir dann nochmal Urlaub in unserem Stammhotel auf Mallorca. Die nächsten Wochen bis September waren alle ganz normal. Ich machte mir natürlich weiter Gedanken. Da ich wusste, dass ich über kurz oder lang meine körperlichen Veränderungen nicht mehr geheim halten konnte, rückte für mich der Tag des Outings in der Firma immer näher. Dies sagte ich im September meiner Frau. Und damit war nun unsere gemeinsame Zukunft zu Ende. Sie bestand darauf, das wir uns trennen und scheiden lassen. Ich war die nächste Woche wie in Schock-starre, lebte nur noch automatisch, bis ich mich aufraffte im Immobilienteil der Zeitung nach Wohnungen zu suchen. Ich fand auch schnell eine, die mir gefiel und bekam diese auch. Es folgten die vielen Möbelhausbesuche, das Packen meiner Sachen, das Entsorgen der Männerkleidung, der Um- und Einzug. Vor dem Umzug gab es noch das Outing in der Firma, was wirklich sehr sehr positiv für mich verlief. Ich bin so froh, dass das so gut verlaufen ist. Mit dem endgültigen Umzug in die neue Wohnung erfolgte auch der Start in 7 / 24 leben als Frau. Auch das verlief ohne Probleme. Auch meine Rückkehr in die Firma nach dem Umzugsurlaub verlief total normal und war für mich so, als ob es nie anders gewesen wäre. Kann man sich da mehr wünschen? Das Verhältnis zu meiner Frau hat sich natürlich verändert. Aber es ist zum Glück sehr gut geblieben. Wir sind jetzt eben zwei Freundinnen. Wir telefonieren täglich, sehen uns regelmäßig. Machen zusammen Ausflügen, gehen zusammen Einkaufen. Ja sie geht mit mir als Frau überall hin und sie hat gesehen, das nichts passiert. Nur leider will sie trotzdem nicht mit mir verheiratet bleiben. Leider hat sich der Scheidungstermin verzögert und da wir uns geeinigt haben, dass auf den Scheidungsunterlagen mein alter Vorname stehen soll, kann ich die VÄ/PÄ erst nach der Scheidung angehen. Aber gut, dann starte ich das eben erst Ende Januar. Für Aufregung für mich sorgte dann ausgerechnet am Freitag, den 13. Dezember mein Endo, als mir die Praxis mitteilte, dass der zum Ende des Jahre dort aufhört. Supergau? ja ich war erstmal ziemlich fertig, weil man ja so schnell keinen Endotermin bekommt und dann ja eine braucht, der sich mit trans* Menschen auskennt. Aber gut, das Problem ist gelöst. Bei der alten Praxis bekomme ich meine Tabletten als Folgerezept übergangsweise weiter und Mitte März bin ich beim neuen.
Fast hätte ich ja noch vergessen zu erwähnen, dass ich ja auch mit der Lasereplilation meines Bartes im Juni begonnen habe und auch mit der Stimmtherapie im Sommer begonnen habe. Das eine ist teilweise sehr schmerzhaft, das andere zwar lustig aber nicht einfach...

Mein Fazit für 2019? Es war sehr durchwachsen. Leider sehr traurig, die großen Verluste in meinem Leben. Andererseits gab es endlich die erhofften Veränderungen zum positiven in meinem Leben, nämlich so zu sein wie ich bin. Ich muss mich nicht mehr verstecken, muss nichts mehr heimlich tun und kann das Leben so führen wie ich bin. Dafür habe ich nun die Einsamkeit in meiner Wohnung. Der tiefe Schmerz des Verlustes meines alten Zuhauses und natürlich meiner Frau. Auch wenn wir uns oft sehen, es ist nicht mehr das selbe. Ich sitze oft total einsam und traurig in meiner Wohnung und halte es nicht mehr aus. Ich weiß nicht, ob das einmal besser wird. Im Moment ist es immer noch schlimm. Es ist auch traurig, dass ich im RL nur meine Frau als einzigen sozialen Kontakt habe. Hier im Haus oder der Umgebung habe ich noch niemanden kennen gelernt. Freundschaften von früher gibt es nicht mehr. Das ist etwas was ich im neuen Jahr gerne ändern würde, auch wenn das sicherlich nicht leicht ist. Aber ich brauche einfach den Kontakt zu anderen.Und ich sage es auch ganz ehrlich, ich brauche jemanden an meiner Seite. Aber ob sich das jemals ändern wird?