Mittwoch, 5. August 2020

Die VÄ/PÄ - ein Mehrteiler .... 9. und letzterTeil

189 Tage.

Am 27.01.2020 hab ich beim Amtsgericht morgens um 6:45 meinen Antrag auf Vornamens- und Personenstandsänderung eingeworfen. 189 Tage später habe ich in Einwohneramt endlich den neuen Personalausweis abholen können. Wahnsinn wie lange das alles gedauert hat. Mehr als ein halbes Jahr ist vergangen. Wenn man bedenkt, wie lange die Nettozeit, die dafür aufgewendet wurde bedenkt ist das zum wimmern. Das alles hätte viel schneller gehen können. Aber gut, jetzt ist der Spaß ja vorbei. Ich hab alles was zum umstellen war umgestellt, oder veranlaßt. Im Moment warte ich noch auf die Versichertenkarte meiner Krankenkasse. Die braucht im Moment von allen am längsten. Ich warte da jetzt schon viereinhalb Wochen und habe bereits zweimal nachgefragt. Den Führerschein hatte ich als letztes beantragt und als erstes bekommen. Und Montag dann den Personalausweis. Ich muss sagen, auch wenn das natürlich nicht überraschend kam, und es normal auch nichts besonderes ist, so war das für mich dennoch ein großartiger Moment, den man gar nicht so richtig beschreiben kann. Ist so eine Mischung aus Glück, Stolz, Dankbarkeit, Trauer und riesiger Freude. 

Donnerstag, 16. Juli 2020

Being trans woman or woman?

Keine Angst, ich fange nicht an, jetzt hier in Englisch zu schreiben....

In letzter Zeit habe ich immer mehr das Gefühl, das es an der Zeit ist das trans sein hinter mir zu lassen. Es passt nicht mehr zu mir. Also gefühlsmäßig. Ich war ja schon immer Frau, auch wenn ich die Jahrzehnte lang, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt sein konnte. Hauptsächlich habe ich sie ja unterdrückt. Und das trans sein nach außen ist für mich etwas für die Zeit der Transition. Ja, sie ist noch nicht ganz abgeschlossen aber innerlich bin doch schon fast bei mir angekommen. Ich hab mich noch nie so gut gefühlt wie in den letzten Wochen. Vielleicht liegt es daran, dass endlich alles richtig läuft und ich jede Woche etwas anderes positives erlebt habe. Aber andererseits bin ich oft auf einem emotional auf einem so hohen Niveau, dass mir vor lauter Glück und Freude oft die Tränen kommen. Wer hätte das vor 1 oder 2 Jahren oder wie es mir noch im März April ging gedacht. Ich kann nur hoffen, das dieses wunderbare Gefühl noch recht lange anhält. Zumindest komme ich mir nicht mehr falsch vor wie früher. Und das was noch nicht richtig ist wird sich auch bald  ändern. Und dieses Wissen darum und die Freude darauf sind einfach größer...

Gedanken um das, was da im September auf mich zu kommt mache ich mir schon. In letzter Zeit ziemlich viele, weil das ist schon eine ziemlich schwere lange OP bei der viel schief gehen kann. Das es nicht ungefährlich ist, oder das Komplikationen auftreten habe ich von ein paar anderen die in diesem Jahr operiert wurden mitbekommen. Und das tut mir weh, persönlich für sie weil ich ja selbst im Moment weiß wie sehr man sich auf die OP freut und dann mit den Komplikationen zumindest für eine Zeit leben muss. Es wird mich aber nicht abhalten, diese OP durchführen zu lassen, aber ich habe dennoch großen Respekt davor...


Die VÄ/PÄ - ein Mehrteiler .... 8. Teil

Gestern war es soweit, ich habe das erste amtliche Dokument, halt da war ja schon die Geburtsurkunde, OK egal ich habe gestern das nächste offizielle Dokument mit meinem richtigen Namen erhalten. Ich habe die Fahrzeugpapiere umschreiben lassen. Auch hier hatte ich wieder Glück kurzfristig einen Termin online buchen zu können. Auch das ging ganz einfach mit dem Vorlegen des Gerichtsbeschlusses. Klar im Prinzip ist das ja nichts besonderes, nur ein normaler Verwaltungsvorgang. Ja, nur für mich halt doch irgendwie anders, weil es war nun Mal das erste Mal als Andrea. Und gleichzeitig das letzte Mal sich bei dieser Behörde outen zu müssen, so wie dass jetzt noch ein paar Mal erfolgen muss. Bei allen weiteren Wiederholung bin eben nur noch Frau Andrea... Erst dann wird auch für mich das Leben wieder ganz normal sein. 

Ich habe gestern nochmals Termine Bingo bei der Stadt gespielt. X Mal probiert und einen neuen kurzfristigen Termin für die Namensänderung bekommen. Statt 4.8. jetzt 17.7. Hurra. Ist schon besser, denn je eher die neuen Papiere da sind, desto besser. Im Moment hab ich ja immer eine Kopie vom Beschluss bei mir, weil eigentlich existierte ich ja rechtlich nicht mehr unter dem alten Namen und Geschlechtseintrag... Ich sehe das im Moment nicht so eng, nur das wieder jemanden erklären zu müssen macht auch auf Dauer keinen Spass

Samstag, 11. Juli 2020

Die VÄ/PÄ - ein Mehrteiler .... 7. Teil

Am Mittwoch dieser Woche erhielt ich meine neue Geburtsurkunde. Ist schon ein seltsames und zugleich wunderbares Gefühl, was ich da hätte, als ich sie endlich in meinen Händen halten konnte. Seltsam meine ich im positiven Sinne. Aber es ist einfach anders das jetzt das erste Mal richtig schwarz auf weiß zu sehen. Es ist das erste offizielle Dokument für mich und das nach so vielen Jahren. Aber jetzt kann ich endlich den neuen Personalausweis und Führerschein beantragen. 

Ach und ich hab noch so viel mehr Post am Mittwoch bekommen. Und es war nicht der Brief von der Stadt den ich zuerst aufgemacht habe. Denn es war wirklich ein ganzer Stapel Briefe, den ich bekam. Da kam auch der Brief vom ADAC mit dem neuen Mitgliedskärtchen für Frau Andrea... Und des kam die Endabrechnung für das Gerichtsverfahren fürr direkt VÄ/PÄ. Mich kostet das Verfahren insgesamt 1.888,69 Euro. Ganz schön viel nur damit mein seinen richtigen Namen und das richtige Geschlecht endlich rechtlich offiziell anerkannt bekommen hat. Aber ich wusste das ja im Voraus, das es ungefähr soviel kosten wird. Da ich bereits im Januar 1.500 Euro angezahlt hatte, belastet die Restzahlung mein Monatsbudget nicht mehr ganz so krass. Von den Kosten geht der Großteil über 1.000 Euro an den ersten Gutachter. Der schrieb allerdings auch 26 Seiten über mich und Gutachter zwei nur 9. Pro Seite war der im Verhältnis sogar teuerer... Das Gericht selbst will nur ca. 170 Euro. Aber abgesehen von den Kosten, so bin ich dennoch froh und glücklich die Rechnung bekommen zu haben, weil sie markiert den endgültigen Schluss-Punkt für das Verfahren.
Dann bekam ich noch Post von meinen Versicherungen. Alles schon brav richtig adressiert... Oh ist das schön. Dann gab's noch einen ganz wichtigen Brief von meiner Klinik in München Bogenhausen. Darin bestätigten sie nochmal alle meine kommenden Termine. Ja auch hier merke ich, es wird so langsam ernst. Im Moment empfinde ich auch in Bezug auf die bevorstehende OP nur große Vorfreude. Aber auch nicht Angst sondern Respekt, weil das alles andere als eine leicht OP ist, sondern sehr viel passieren kann. Das habe ich gerade in letzter Zeit vermehrt mit bekommen. Andererseits gibt es bei meiner OP hundertprozentige Sicherheit und ich weiß auch von denen, dass sie die Sache dennoch wieder so machen lassen würden. Insofern hoffe ich auf ein gutes Gelingen... 

Am Donnerstag dann wollte ich gleich einen Termin bei der Stadt ausmachen um den Personalausweis und den Führerschein ändern zu lassen. In normalen Zeiten wäre ich da früh morgens hin, hätte stundenlang warten müssen bis ich dran komme. Dank
Corina geht das nicht. Es geht nichts ohne Termin. Und den bekommt man am zentralen Passamt nur online. Nur die Termine sind extrem heiß begehrt und ganz schnell weg. So probierte ich mein Glück auch bei den drei Bürgerämtern. Bei denen kann man auch telefonisch Termine vereinbaren. Wenn man sie denn Mal erreicht. Nach 1,5 Stunden hatte ich tatsächlich jemanden erreicht. Eine ganz nette Dame machte für mich dann einen Termin am 4.8. !!! für Perso und Führerschein. Ups. Wenn der Perso fertig wird bin ich schon im Krankenhaus. Sie riet mir es weiter zu probieren und wenn ich einen früheren Termin bekomme kann ich ja absagen. Also probierte ich das wieder Online. Und irgendwann hatte ich tatsächlich Glück und mir wurde ein Termin für die kommende Woche angeboten. Ich tippe brav meine Kontaktdaten ein. Und dann kommt die "ich bin kein Roboter" Überprüfung. Die schlechtlesbaren Zeichen, die durchgestrichen sind. Ich musste 8 Mal die Zeichen eingeben bis ich das richtig hatte. Dann stürzte  das System ab. Also wieder zurück zum Terminvorschlag. Aber jetzt war der Termin weg. Ich wahr echt nicht begeistert. Und so probiert ich das immer wieder. Fast 45 min. Dann endlich war wieder ein neuer Termin frei. Gleich für den nächsten Tage. Oh diesmal war ich echt aufgeregt. Ich musste wieder alle Daten neu eingeben und auch wieder die Zeichenkette. Diesmal klappte es beim zweiten Mal und ich hatte den Termin. Wahnsinn. Also nur den Termin für den Perso. Ich lasse aber den Termin für den Führerschein im August, weil der wird nach Hause geschickt. 
Am Freitag bin ich dann nach dem Einkaufen in ein Parkhaus beim Einwohneramt gefahren. Dort musste ich mich draußen hinten in die Schläger derer einreihen, die auch Termin hatten. 20 min draußen bei extremen 30 Grad ohne Schatten. Am Eingang steht einer mit Plakat auf dem die Terminuhrzeit seht. Kommt deine Zeit dann darfst du in der schlange in den vordersten Bereich kommen. Drinnen wird der Name in der Liste abgehakt und ein Blick in die Handtasche geworden. Dann weiter zur Information. Da bekommt man seinen Zettel mit der Nummer. Weiter geht's in den großen Schalterraum mit Wartebereich, 26 waren vor mir. Dann kam ich dran. Die Bearbeiterin nahm alle Dokumente - Geburtsurkunde, alter Perso, Gerichtsbeschluss und neues Passbild. Sie ging zu tippen an. Kurz darauf nahm sie den Beschluss und den Perso und ging kurz weg. Als sie zurück kam ging der Rest ganz schnell. Nach insgesamt incl. warten war ich nach 45 min fertig. Meinen neuen Perso bekomme ich in 3 - 4 Wochen. Hurra... 

Dienstag, 7. Juli 2020

Die VÄ/PÄ - ein Mehrteiler .... 6. Teil

7 Tage endlich mit dem richtigen Vornamen.... Ich schwebe immer noch auf Wolke 7. Tiefenentspannt kann man es wohl auch bezeichnen. Ich glaube ich hab mich wohl noch nie so gut gefühlt, zumindest über einen längeren Zeitraum als jetzt. 

Das Ändern meiner Papiere ect. Habe ich gleich letzte Woche, einen Tag nachdem ich den Beschluss hatte angefangen. Ich hab bei Standesamt angerufen und gefragt, ab wann ich denn meine neue Geburtsurkunde bestellen kann, weil die ist ja der Ausgangspunkt für einige ganz wichtige Dokumente wie z.B. Personalausweis. Sie sagten mir, dass ich die Geburtsurkunde bereits jetzt Online bestellen kann, aber in ein Notizfeld eintragen soll, das der Grund die VÄ/PÄ ist. OK, ich hab's dann gleich so bestellt. Nach der Arbeit bin ich dann zu meiner Krankenkasse gelaufen und hab da auch den Beschluss abgegeben. Da werden damit im Hintergrund noch ein paar andere wichtige Sachen geändert, wie z.B. eine Mitteilung an die Rentenversicherung... Ich bekomme also demnächst ein neues Krankenversicherungskärtchen. Bin gespannt, wie die IT Systeme der Ärzte auf die Umstellung reagieren... 
Am Freitag habe ich dann den Beschluss auch an meine anderen Versicherungen geschickt und beim ADAC angerufen. Der braucht nix weiter und ich bekomme auch ein neues Kärtchen. 
Im Moment hab ich so schon, soweit ich das im Moment überblicken kann geändert was zu ändern geht. Alles andere halt bei nächster Gelegenheit. 

Mittwoch, 1. Juli 2020

Die VÄ/PÄ - ein Mehrteiler .... 5. Teil

01.07.2020 - es ist geschafft. Es ist endlich endlich geschafft. Nachdem heute vor einer Woche der vorläufige Beschluss mit der Post kam und ich am nächsten Morgen meinen Rechtsmittelverzicht beim Amtsgericht eingeworfen hatte, kam heute der rechtsgültige Beschluss. Ich bin jetzt ganz offiziell, und das laut Beschluss seit dem 25.06.2020 dem weiblichen Geschlecht als angehörig anzusehen und führe als Vornamen Andrea. 

Es ist schwer all seine Gefühle in Worte zu fassen. Der Weg bis hier her war so unendlich lang. Ich hab so vieles ertragen und bin nun einfach nur noch glücklich und froh, dass dieser Teil der Reise und abgeschlossen ist. Nun beginnt der bürokratische Teil, weil jetzt werde ich nächste Woche damit beginnen alle Dokumente und Unterlagen sowie den Personalausweis, Führerschein, Fahrzeugpapiere und und und ändern zu lassen. Ja, es wird nicht langweilig, nur sportlich. 😊 

Tja, was soll ich jetzt noch dazu sagen? Ich bin die, die ich immer war jetzt ganz offiziell und vom Staat geprüft und anerkannt. Ich hab viele Verluste und Rückschläge hinnehmen müssen, ich habe ein neues Leben begonnen und ich hab mein Ziel nie aus den Augen verloren, hab mich durchgekämpft auch wenn es Rückschläge gab. Ich habe viele Tränen vergossen, war verzweifelt und am Boden. Aber ich habe auch viele schöne Momente gehabt. Momente, die mich glücklich gemacht haben und die mich haben wachsen lassen. Ich bin für all das sehr dankbar und auch etwas Stolz auch das was ich nun doch endlich erreicht habe. Das war nun die Pflicht. Die Kür oder das was ich noch für mich ganz alleine mache folgt im September. Aber bis dahin werde ich den Sommer auskosten und mich darüber freuen 

Samstag, 6. Juni 2020

Auf dem Weg zur GAOP 3

Endlose Jahre sind vergangen. Traurige Zeiten kamen und gingen. Dann habe ich nicht mehr anders gekonnt und bin den Weg gegangen, um endlich so zu sein, wie ich eigentlich  bin. Ich hatte das 2016 im Herbst so sehr gespürt, das es keine alternative mehr für mich gibt. Von da an war es noch ein langer, steiniger Weg mit sehr vielen Tränen, Kummer, Sorgen, Zweifeln und Ängsten. Es gab dazwischen auch viele schöne Erlebnisse, viele erste und letzte Male. Ich habe mich, aus Rücksichtnahme sehr oft zurück gehalten und trotzdem nie aufgegeben. Ich bin so oft in tiefen Seelischen Tälern gelandet und hab mich wieder heraus gekämpft. Ich habe um meine Ehe gekämpft, aber verloren, aber dafür eine sehr gute Freundin gewonnen. Das ist mehr  als ich oft zu hoffen wagte. Ja, ich habe nach dem Outing meiner Frau gegenüber im April 2017 sehr lange gebraucht, bis ich endlich komplett als Frau leben konnte, auch wenn ich das nun alleine tue. Aber ich habe, auch wenn mich die Einsamkeit oft kaputt macht, doch immer mein Zeil weiter verfolgt. Nun das große Ziel hieß für mich immer von Anfang an, das was die Natur mir versagt hat, so weit es machbar ist anzugleichen. Für mich hat das immer bedeutet, Körper und Seele in Einklang zu bringen. Denn noch ist das nicht ganz so. Die Hormone tun zwar langsam und stetig ihre Arbeit und ich lebe so, wie es richtig ist, aber es fehlt mir noch der letzte große Schritt, die GaOP. Nun, auch wenn ich mich wiederhole, ich hatte meinen Antrag bei der Krankenkasse nach nur 12 Tagen genehmigt bekommen. Da war für mich die Welt nach so langer langer Zeit endlich in Ordnung. Nun, danach war es das für längere Zeit leider gar nicht mehr. Es kam der Brief vom 2. Gutachter, dass das Gutachtengespräch erst in 4 Monaten, also Anfang Juli 2020 sein soll. Dann sagte mir mein 1. Gutachter, dass er mindestens 6 Wochen braucht das Gutachten zu schreiben. Und da brach meine Welt für mich emotional auseinander. Denn das bedeutete für mich, dass ich meine Unterlagen zur Klinik erst dann schicken konnte, weil sie eben ein Gutachten (sie schrieben z.B. Gerichtsgutachten) haben wollten. Gut, dass ich meine Therapeutin hatte. Beim nächsten Termin im März sagte sie mir, ich solle doch das Indikationsschreiben, dass ja auch ein Gutachten ist an die Klinik schicken. Ich habe das dann tatsächlich noch zusammen mit ihrem Verlaufsbericht eingescannt und an die Klinik, zusammen mit dem Kostenübernahmeschreiben per E-Mail gesendet. Wie mir vorher von dort mitgeteilt wurde, solle ich dann ca. 10 Tage später zwecks der Terminvergabe anrufen. Das hätte so schön sein können. Nur wurde die Welt halt leider vom Coronavirus heimgesucht. Und alle planbaren OP's wurden verboten und auf unbestimmte Zeit verschoben. Rein Rational habe ich das ja auch verstanden, ich hätte als Politiker auch nicht anders gehandelt. Aber rein Emotional war das für mich echt eine Katastrophe. Die Hormone tun in mancher Beziehung ihre Arbeit extrem gut und das besonders auf emotionaler Seite. Und deshalb hat mich das auch so extrem runter gezogen. Es war so die extreme Achterbahnfahrt. Erst lief alles so gut, und es ging auch endlich schnell weiter, fast schien es, ich holte plötzlich die Zeit ein, die ich so oft verloren hatte. Und dann kam dieser große Stop. Nun ich rief trotzdem in der Klinik an. Sie sagten mir, ich solle gegen Ende April anrufen. Das tat ich und wurde vertröstet. In drei Wochen wieder. Und da hieß es wieder - in Zwei Wochen wieder. Ja die Warterei nervte. Der große Trost war, dass ich ja dann den 2. Gutachtertermin zwei Monate früher bekam, weil zu allem Unglück, auch Corona bedingt die Firma Kurzarbeit angemeldet hatte. Ja, März, April und Mai waren wirklich sehr schlimme Monat für mich. Mit der Zeit kamen dann ja die ersten Corona Lockerungen und irgendwann im Mai fingen ja die Krankenhäuser langsam wieder mit dem Normalbetrieb an. Ich hatte natürlich große Sorgen, und Befürchtungen, dass durch den OP Stop und die daraus resultierenden vielen Verschiebungen eine OP für mich in diesem Jahr nicht mehr möglich sein wird. Nun die letzen 2 Wochen wurde ich zumindest was die rechtliche Seite betrifft wieder viel optimistischer. Das zweite Gutachten  ist fertig, und ich warte nur noch auf den Beschluss des Gerichts. In dieser Woche waren dann wieder zwei Wochen um, nach denen ich in der Klinik anrufen durfte. In Facebook lass ich, dass dort jemanden gesagt wurde, Ende der Woche kann angerufen werden. Ok, eigentlich wollte ich das noch am Mittwoch machen, aber sicher ist sicher machte ich das am Donnerstag in der Arbeit. In der Firma ist durch die andauernde Kurzarbeit und das viele Homeoffice nicht viel los, aber dadurch, das Meetings nur per Videokonferenz stattfinden, gibt es einen Mangel an Besprechungszimmern. Da kann man nämlich die Tür zu machen, und es  hört niemand mit, nicht wie bei mir im Großraumbüro. Ich rief also in der Klinik an, mit gemischtem Gefühl. Ich hatte schon die Befürchtung, man vertröstet mich wieder. Aber diesmal nicht. Die Dame am Telefon sah sich nochmal meine Unterlagen auf Vollständigkeit an und sagte dann, so dann schaue ich mal nach einem freien Termin. Wow. Es dauerte ein wenig, nur unterbrochen durch ein, ich schaue noch, da sind schon alle Termine voll - na toll - und dann kam: Ich könnte Ihnen den 4. September anbieten!!!! Meine Güte - natürlich sagte ich ja. Ich war so überwältigt. Endlich einen Termin, noch in diesem Jahr und das schon in 3 Monaten - nur noch drei Monate. 
Dann klärten wir noch ein paar für den Krankenhausaufenthalt und die OP wichtige Dinge ab. So muss ich Mitte August in die Klinik zum Narkosegespräch. An diesem Tag finden dann auch alle Tests die man für eine, oder diese OP braucht statt. Am 2.9. muss ich dann für 10 Minuten in die Klinik zum vorgeschriebenen Coronatest. Da darf ich dann aber nicht im Krankenhaus bleibe, aus Sicherheitsgründen. OK, kein so großes Problem, dann fahre ich wahrscheinlich gleich wieder heim um am nächsten Tag wieder nach München zu fahren zur stationären Aufnahme. 

Nach diesem Telefonat war mir nicht mehr so ganz zum Arbeiten zu mute, ich war einfach zu glücklich. Endlich ist das Ziel in Sicht und hat einen festen Termin. Das ist schon krass nach all den Jahren, in denen ich so oft nur davon geräumt habe. Es gab Zeiten, da war es wirklich nur ein Traum, von dem ich wusste, dass er nie in Erfüllung gehen wird. Aber nun stehen die Chance, dass es endlich wahr wird ziemlich gut. Ich freu mich so sehr. Aber es ist auch ein komisches Gefühl zu wissen, dass ich heute in drei Monaten meine erste Nacht nach der OP habe und schon alles vorbei ist. Naja, alles vorbei natürlich nicht, weil die Zeit danach im Krankenhaus ja auch noch kommt und ja ich hab keine Angst vor dem ganzen aber einen großen Respekt. Na gut, es sind ja noch drei Monate bis da hin - oder sind es nur 3 Monate? Zeit genug jedenfalls, um den Aufenthalt in München und die Zeit danach zuhause vorzubereiten.

Einen kleinen Wermutstropfen hatte dieser Donnerstag allerdings auch noch. Das fing schon morgens nach dem Aufwachen an. Mir tat mein rechtes Auge weh. Vor dem Spiegel sah ich dann, dass es total rot war. Es fing auch sehr stark zu tränen  an. Ich fuhr trotzdem zur Arbeit. Das Auge tat den ganzen Tag weh. Ich rief dann auch bei meinem Augenarzt an, aber der hatte Urlaub und verwies auf seine Urlaubsvertretung in einer Augenklinik in Nürnberg. Dort bekam ich auch einen Termin am späten Nachmittag. Der Augenarzt sah sich das Auge genau an und schaute auch nach, ob es keinen Fremdkörper im Auge hatte. Das war aber nicht der Fall. Er verschrieb mir Tropfen, die ich mir auch gleich in einer Apotheke holte und Abends noch 5 mal genommen habe. Jetzt muss ich sie nur noch alle drei Stunden nehmen. Aber man sieht, das Leben nimmt nicht mal an solchen, eigentlich schönen  Tagen auf einen Rücksicht. Gut, meinem Auge geht es wieder besser, das rot ist weg und es tut nicht mehr weh. Aber die Tropfen nehme ich noch weiter...