Samstag, 1. Mai 2021

Was wichtig ist, und was nicht mehr

Die Zeiten ändern sich, ich ändere mich und damit auch Prioritäten. Sachen die früher wichtig waren, rücken zunehmend in den Hintergrund. Anderes rückt in den Fokus nach. Habe ich Jahrzehnte damit verbracht, mit meinem Schicksal zu handern und gehofft irgend wann etwas daran ändern zu können, habe ich die letzten Jahre meinen Fokus darauf gelegt das Realität werden zu lassen. Ich habe in den letzen Jahren viel über mich gelernt. Ich habe viel Selbstreflektion betrieben, vieles an mir hinterfragt, erkundet, neu gelernt und neu bewertet. Ich habe  erkannt, dass ich kein Freak bin, das ich nicht krank bin, das ich nicht anders bin, das ich eine ganz normale trans Frau bin. Daran ist nichts falsch oder verkehrt. Damit habe ich meinen Frieden geschlossen, als ich mich nach langem ringen mit mir das endlich akzepieren konnte. Dinge ergaben damit einen Sinn. Alles hatte damit einen Namen und für mich einen Sinn und ich konnte endlich etwas tun, damit ich die Frau werden konnte, die ich immer war, aber dies auch nun in Freiheit und Selbstbestimmung leben kann. Das ist für mich ein großes Geschenk. Es war nicht immer leicht den Weg zu gehen. Es hat gerade in den ersten Jahren quälend lange gedauert. Oft ging gar nichts voran, dann nur in mini Schritten oder wieder einige Schritte zurück. Auch die familiären Probleme waren und sind sehr schmerzhaft. Es tut mir immernoch extrem weh, nicht mehr mit meiner lieben Ex zusammen zu leben. Auch wenn wir sowas wie beste Freundinnen sind oder vielleicht ein wenig mehr, so leben wir doch getrennt von einander und die Aussichten das jemals wieder zu ändern sind nicht gerade hoch. Und so nagt die fast tägliche Einsamkeit an mir und zermürbt mich. Es geht mir einfach nicht gut ohne sie und ständig so alleine. Dazu kommt, dass ich ja noch immer keine Arbeit gefunden habe. Gut ich habe erst vor eine paar Tagen, als es mir nach der zweiten GaOP wieder gut ging damit angefangen nach etwas neuem zu suchen. Aber auch das ist in der Coronazeit alles andere als einfach, auch wie das, was ich in den letzten Jahren beruflich getan habe eben sehr speziell auf den alten Arbeitgeber abgestimmt war. Nun gut, ich gebe nicht auf, es wird sich schon was finden. Ich hoffe nur, dass die Suche nicht zu lange läuft...
Gut zum Thema Prioritäten zurück. Das sind also die neuen Prioritäten für mich: eine langfristig Partnerschaft mit einem lieben Menschen, eine neue Arbeit und ein ganz normales Leben. Ich denke das was ich die letzen Jahre mit gemacht habe, so schön auch einige Sachen dabei waren, das reicht auch dann fürs Leben. Ich weiß natürlich, das es ein ruhiges Leben die nächsten Jahre auch nicht geben wird, und das nichts leicht sein wird, von dem was kommt. Vielleicht haben mich die vergangen Jahre auch stärker gemacht, stärker als viele andere Menschen. Sich diesem Weg stellen und all das auf sich zu nehmen, was da von einem abverlangt wird, ist nicht für jeden. Andererseits, empfand ich es selbst nie als besonders schwer, abgesehen das familiäre. Das war das schwerste Überhaupt und das mit Abstand traurigste in meinem Leben. Aber die Transition an sich verlief problemlos und ruhig und gerade ab Herbst 2019 sehr zügig. Wenn ich denke, dass ich seit Oktober 2019 erst 24/7 als Frau offen nach außen leben kann und seit Juni 2020 rechtlich Frau bin und im September 2020 die geschlechtsangleichende Operation hatte, dann ging das schon extrem schnell. Das dem ganzen aber ein langer Prozeß vorausgegangen war, das darf man dabei nicht vergessen. Auch nicht, das ich meiner Sache immer extrem sicher war. Momente des Selbstzweifel gab es sicherlich, ganz kurz, aber ich war mir, seit ich mich akzeptiert hatte immer sicher, was das Zeil sein wird. Das große Ziel. Gibt es das einzige große Ziel dabei überhaupt? Kann man so schlecht sagen. Es ist ja nicht ein Ziel das man hat, wie zum Beispiel die OP - zack und gut is. Nein, es geht ja in erster linie darum, so frei und glücklich mit seinem Körper und seinem Geist zu leben, wie alle Menschen die nicht trans sind auch. Ich habe Jahrzehnte darunter gelitten, dass ich wusste das mein ich eigentlich weiblich - eine Frau bin, aber ich mit einem männlichen Körper auf die Welt kam. Dieser ständige innere Konflikt mit diesem Wissen unterdrückt so leben zu müssen hat mir viel Leid zugefügt, bis ich mich entschlossen habe das zu ändern. Das zu ändern ist ein langsamer Prozess. Das schöne daran ist, sich mit sich selbst sehr ausführlich zu beschäftigen. In sich tief hinein zu hören, sich selbst zu reflektieren, sich zu erkennen und zu sich selbst zu finden. Ich habe diesen Prozess zum großen Teil abgeschlossen, auch wenn er nie zu Ende sein wird. Aber er bestimmt nicht mehr mein tägliches Leben. Ich hinterfrage mich nicht mehr, was oder wer ich bin. Ich bin nur noch ich. Ich habe meinen Frieden mit mir gefunden. Ich kann mich endlich im Spiegel sehen und mich selbst erkennen und sehe nicht mehr in die traurigen Augen hinein, die ausbrechen wollten aus ihrem Gefängnis. Nein, ich bin frei geworden. Ja, ich habe noch Baustellen. Der Restbart, der Brustaufbau. Aber das ist nur eine Frage der Zeit geworden, nicht mehr als unerreichbares Ziel, so wie früher. Ich kann damit leben wie es ist, weil ich weiß das ich das auch noch erreiche. Aber es schmerzt nicht mehr wie früher, weil  ich frei geworden bin. Die Freiheit das zu sein, was man ist und das Leben zu können, ist die größte Freiheit, die man sich vorstellen kann. 

Montag, 19. April 2021

Nächste Schritte

Meine Korrektur OP ist jetzt auch schon wieder etwas über 6 Wochen her und ich fange an, mich mit dem nächsten Schritt näher auseinander zu setzten. Ich habe am 4.4.2021 mein 2 jährige HRT Jubiläum gehabt. Mit vielen was sich bei mir optisch in den 2 Jahren getan hat, bin ich mittlerweile schon zufrieden. Gut in meinem Alter muss ich gewisse Abstriche machen. Ich werde nie mehr so jung und schön werden, wie andere aber darauf kommt es mir schon lange nicht mehr an, wenn das jemals wichtig gewesen sein sollte. Nein, ich bin zufrieden mit mir und wie ich bin. Eigentlich bis auf eine Sache, die für sehr viele Frauen etwas ganz wichtiges ist und das sind meine Brüste. Nun die sind auch nach 2 Jahren nicht groß. Vielleicht mit gut zugeben AA. Und beim besten Willen, das ist nichts. Ich will ja auf gar keine Fall große Brüste, eigentlich nur solche die zu mir passen. So wie sie jetzt sind fühle ich mich einfach nicht wohl. Es macht mich auch traurig und niedergeschlagen, wenn ich sie mir ansehe und wenn ich dann noch einen BH anziehe, ja der ist eigentlich total überflüssig. Wenn Corona einmal vorbei sein sollte, würde ich ja auch gerne einmal im Bikini draußen sein oder mal etwas anziehen, bei dem ich nicht aufpassen muss, das mir jeder gleich sieht, dass da nicht oder fast nichts ist. Ach so eine Hormontherapie kann schon ganz schön frustrierend sein. Das Dumme ist ja, man weiß ja nicht was dabei raus kommt und ob nicht doch noch was nach wächst. Aber danach sieht es halt ganz und gar nicht aus. Seit Juni 2019 gab es praktisch kein Brustwachstum mehr. Das hat einfach aufgehört. Mir tut das schon weh. Ich will mich ja nicht mit anderen vergleichen und jammere vielleicht auch auf hohem Niveau, weil ich dafür schon anderes erreicht habe, aber für mich ist das einfach noch wichtig um mich richtig komplett zu fühlen. Das ist jetzt nicht so, dass ich deswegen nicht schlafen kann oder mir ständig darüber den Kopf zerbreche, wie vor Jahren, als es um die GaOP ging, das war eine ganz andere Hausnummer. Nein, das ist halt mein persönliche I-Tüpfelchen. Das was ich noch gerne machen möchte. Ja und deshalb habe ich mich in den letzten 2 Wochen näher mit diesem Thema beschäftigt und angefangen im Internet danach zu suchen. Die Herausforderung wird wieder sein, die passende Klinik zu finden, die auch mit meiner gesetzlichen Krankenkasse abrechnet. Private Kliniken in diesem Bereich gibt es ja viele, aber das kostet entsprechend viel Geld, und wenn diese Kosten die Kasse übernehmen würde, wäre dies für mich natürlich viel viel besser. Ich hab jetzt mal mit einer Klinik in Nürnberg Kontakt aufgenommen, hauptsächlich um zu sehen, ob das ganze überhaupt für mich möglich wäre und auch um heraus zu finden, was das kostet, für den Fall, dass ich das ganze doch selber zahlen muss. Gleichzeitig habe ich heute bei der Krankenkasse nachgefragt, welche Unterlagen sie für die Genehmigung der OP benötigen. Die wichtigste Hürde ist, das Krankenhaus das mit der Kasse abrechnet und der MDK über der ja oder nein an Hand der Unterlagen und der Fotos entscheidet...

Die Unterlagen habe ich inzwischen schon bekommen und auch zwei Termine in Kliniken ausgemacht, die diese Operationen durchführen und mit der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen. Die Termine sind zwar erst im Juni, aber immerhin ist der Stein wieder ins Rollen gebracht...

Was noch fehlt, beziehungsweise immer noch da ist, ist natürlich der Restbart in farblos. Und den will  ich ja auch los werden. Vor 7 Wochen war ich bei der Hautärztin und da wurde mir gesagt, in 4 bis 6 Wochen würde da was von der Krankenkasse vorliegen. Nun sind 7 Wochen um und ich weiß nix. Ok zur Verteidigung der Ärztin muss ich sagen, ihre Praxis war letzte Woche wegen Urlaub geschlossen. Und wann es sinnvoll ist da heute anzurufen, kann ich im Moment nicht abschätzen. Ich will es aber trotzdem später probieren. Jetzt hätte ich noch so viel Zeit dafür und gerade weil der Bart dafür wachsen muss, wäre das die ideale Zeit... Ach ich kann nur hoffen, das alles gut wird...


Freitag, 2. April 2021

Die GaOP 2 Teil 2

 Nach einer Weile ging es dann in einen Raum zum Corona Schnelltest, im Gegensatz zu dem in der Woche davor, war der diesmal durch die Nase. Und das war schon ziemlich unangenehm. Dann dufte ich bis das Testergebnis vorlag wieder warten. Das Testergebnis war dann auch negativ und ich konnte in der Klinik einchecken. Dann fuhr ich mit dem Aufzug in den 1. Stock und meldete mich bei der Stationsleitung an, die mich dann in mein Zimmer bracht. Ich staunte nicht schlecht, als da jemand im Zimmer stand, weil ich ja die private Krankenhauszusatzversicherung habe und deshalb ein Einzelzimmer bekam. Es stellte sich aber gleich heraus, dass diese Patientin nach der Visite nach Hause darf und ich somit alleine im Zimmer bin. Sie hatte in der Woche zuvor ihre Korrektur OP gehabt. Wir unterhielten uns sehr nett und ich fand es plötzlich schade, dass sie schon die Klinik verließ. Es dauerte dann noch eine Weile, dann holte mich Dr. Markovsky ins Untersuchungszimmer. Er sah sich nochmals alles an und wir besprachen, was alles bei der OP gemacht werden sollte. Dann war ich auch schon wieder auf dem Zimmer. Nachdem das Zimmer und das Bad gereinigt worden waren, packte ich meinen Reise Trolley aus, ging duschen und zog dann das OP - Hemd und die schöne Krankenhaus Unterhose an. Und dann begann das große Warten. Es war jetzt ca. 9:15 Uhr und die OP sollte um 13 Uhr sein, das heißt sie holen mich gegen 12 Uhr ab. Ja was macht ich so, außer etwas Twittern und lesen? Ich lag auf dem Bett. Und weil ich vor der OP selbst kein bisschen aufgeregt bin passierte es - ich schlief ein. Pünktlich um 12 mussten sie mich tatsächlich wecken, bevor sie mich zum OP gefahren haben. Gut Andrea ist also wirklich tiefenentspannt was OP´s angeht... Dann ging die Fahrt los zum Aufzug nach oben in den OP Bereich. Da durfte ich dann erstmal das Bett wechseln und bekam den Zugang kurz hinter das Handgelenk, weil sich am Arm keine bessere Stelle fand. Das stechen tut leider immer ziemlich weh, aber gut da muss man halt durch. Zumindest weiß ich jetzt auch, das der erste Tropfer den ich hier bekam mit Antibiotika war. Dann musste ich alleine in dem Vorraum warten, weil eine andere Patientin noch aus dem OP in den Aufwachraum gebracht werden musste. Da gabs allerdings noch was zum Anhören für mich, weil die Patientin wohl, Narkose bedingt nicht das tat was sie sollte, sondern wohl versuchte aufzustehen. Sie versuchten ihr ziemlich lange und oft klar zu machen, das sie sich nicht bewegen soll und das alles ok ist und so weiter. Aber klar, noch in Narkose weißt du als Patient nicht, was du da treibst. Ob ich auch sowas gemacht habe, weiß ich nicht. Nun gut das hat die Warterei zumindest verkürzt. Dann kam ich an die Reihe. Umsteigen auf die OP liegt, festgeschnallt, Wärmedecke drüber und dann gings los. Ein paar mal noch mit den Augen gerollt und weg war ich. Als ich aufwachte war es 15 Uhr und ich lag im Aufwachraum. Schmerzen hatte ich diesmal fast keine. Nach einer Stunde kam ich auch schon wieder auf mein Zimmer. Ich ruhte ein wenig, nach Schlafen war mir nicht. Der Tropfer war irgendwann durch gelaufen, aber große Schmerzen hatte ich nicht bekommen. Gegen 18 Uhr haben sie mich dann sogar schon vom Tropfer befreit und habe auch gleich schon ein richtiges Abendessen, eine Käseplatte bekommen. Wow, das war wirklich kein Vergleich zu der ersten großen Operation. Gegen 20:15 durfte ich zum ersten mal aufstehen und ging mit der Schwester ins Bad. Ich wusch mir das Gesicht und dann ging es auch schon wieder ins Bett zurück. Auch das ging erfreulicher Weise sehr gut. OK ins Bett einsteigen war natürlich etwas schwieriger und da tats auch weh und auf den Katheterschlauch muss man ja auch aufpassen. Aber ja, es ging einfach sehr gut für das, dass ich erst vor ein paar Stunden operiert worden bin. 

Die erste Nacht verlief auch schmerzfrei, nur bin ich sehr früh wach geworden. Nach dem Frühstück kam die Visite und sie sagten, dass alles sehr gut und komplikationsfrei verlaufen sei. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Nach dem Blutdruckmessen durfte ich wieder ins Bad und weil das alles so gut funktionierte durfte ich seit dem jeder Zeit alleine aufstehen und mich bewegen. Das war natürlich schön und so bin ich später dann auch schon auf dem Gang auf und ab gelaufen. Ein Schmerzmittel hab ich abends erst wieder genommen. Gebraucht hätte ich es eigentlich nicht, das war für mich eher sicherheitshalber. Und so hab ich das auch bis zur Entlassung gehalten. 

3 Tage nach der OP, am Freitag, den 12.03.2020 sagt mir die Schwester vor dem Frühstück, das heut der Verband ab kommt und ich kann schon mal anfangen, die Pflaster zu lösen, wenn ich mag. Das hab ich natürlich sehr gerne gemacht. Das waren zwei sehr lange große weiße Pflaster von vorne nach ganz hinten. Ich machte dies langsam und vorsichtig, vor allem da wo die beiden Pflaster auf dem Katheterschlau festgeklebt waren. Gut ich hatte das ganze so frei gelegt, das die Pflaster tatsächlich nur noch auf dem bisschen Mullverband oder Mullauflage fest saßen. Dann kam auch schon die Oberärztin mit der Stationsleitung und einer anderen Krankenschwester. Messer und alles was sie so braucht lagen schon auf meinem Tischchen bereit. Sie löste den Rest noch ab, und löste zwei Fäden, mit denen der Verband an mir festgenäht war. Dann entfernte sie Tamponagen, machte alles mit Reinigungstüchlein sauber. Und dann kam der große Moment, bei dem sie eine Mullbinde aus der Neovagina heraus zog, die sich dabei von innen nach außen abrollte. Das war jetzt nicht ganz so lustig, wie das ganze aussah, als sie das heraus zog und zog, besonders als das End Teil heraus kam. Aber das ging zum Glück schnell und ja, es war überstanden. Den Katheter durfte ich aber noch behalten. Sie war sehr zufrieden mit dem was sie sah und ich war sehr erleichtert. Dann hatte ich erstmal wieder Ruhe. Das Wochenende verlief ruhig und ereignislos. Abwechslung gab es nur durch das gute Essen und die sehr netten Schwestern und Ärzte. In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte ich sehr schlecht geschlafen. Da war ich extrem nervös geworden. Ich kann zwar OP´s aber vor dem Katheterziehen und der Untersuchung auf dem Gyn-Stuhl hatte ich doch etwas Bammel. Wobei das leider nur eine Kopfsache ist, weil in der Realität war das eigentlich ein Klacks. Die Oberärztin sah zu und der Assistenzarzt machte die praktische Arbeit. Er durfte der sauber machen, ehe aus dem Katheterballon die Luft abgelassen wurde. Das merkte ich mit einem leichten Brennen, genau so wie das kurze Brennen, als der Katheter heraus gezogen wurde. Danach wurde nochmals alles angesehen, ehe die Neovagina von innen untersucht wurden. Ja, das wars dann auch schon. Hätte ich gewusst, wie harmlos das diesmal wieder war, ich hätte besser geschlafen. Nun hieß es testen, ob das Wasserlassen ohne Katheter richtig funktioniert. Zurück im Zimmer hab ich dann angefangen zu trinken. Und weil ich ziemlich durstig war, hab ich ca. 2 Liter Wasser plus den Frühstückskaffee getrunken. Nachdem ich dann zwei mal auf der Toilette erfolgreich war bin ich zum Untersuchungszimmer zurück. Da war gerade noch jemand anderes drin und ich musste warten. Das dauerte dann aber doch recht lange und so ging ich zum Zimmer zurück und musste nochmal auf die Toilette. Dann bin ich wieder vor, musste nochmal eine Weile warten, ehe per Ultraschall der Restharn in der Blase gemessen wurde. 125 ml. Unter 100 ml sollten es sein. Also zurück und später nochmal messen. Gut ich hatte echt zu viel getrunken und mir war klar, woher das alles kam. Aber es half ja nichts. So ging ich dann im Zimmer nochmals auf die Toilette und bei der nächsten Messung waren nur 40 ml drin. Hurra, alles bestens und ich blieb von einem weiteren mal Katheter verschont und was noch besser war, mir wurde gesagt das ich am nächsten Tag nach Hause darf. Ja, das war sehr schön, dass diesmal alles so gut und schmerzarm geklappt hatte. Ich fragte sicherheitshalbe am späten Nachmittag nochmal nach, ob ich wirklich nach Hause darf und ich bekam grünes Licht dafür von der Oberärztin, vorbehaltlich der Visite mit dem Chefarzt am nächsten Tag, aber sie sagt dass das so gut wie sicher sei. Also buchte ich mir eine Fahrkarte nach Hause. Weil ich nicht wusste, wann ich tatsächlich raus kam, buchte ich mir ein Flexticket und konnte so mit jedem ICE heim fahren, wann ich wollte. Am Abend fing ich schon an zu packen, den Rest am nächsten Morgen vor dem Frühstück. Zur Visite war ich schon halb angezogen. Klar durfte ich jetzt heim. Man beantwortete mich noch ein paar Frage zur weiteren Pflege und dann war es das auch schon. Nach einer Woche durfte ich wieder zurück nach Hause. Ich fuhr mit dem Taxi zum Hauptbahnhof. Den nächsten ICE sollte ich ohne Probleme erreichen. Da es allerdings mit dem Zug ein technisches Problem gab, wechselte ich auf einen ICE der eine halbe Stunde später pünktlich abfuhr. Nach etwas mehr als einer Stunde war ich wieder in Nürnberg. Zurück in meine Wohnung ging es dann auch mit dem Taxi. Dort angekommen fing ich gleich mit dem Auspacken und dem Waschen meiner Sachen an. Zwei Stunden später lag ich glücklich auf dem Sofa und freute mich, das ich nun wieder zuhause war.

Wenn jetzt die Heilung nach 3,5 Wochen nach der OP weiter so gut verläuft, ist das Kapitel geschlechtsangeleichende OP damit für mich beendet. 

Was für ein großer Schritt, was für eine lange lange Zeit die damit zu Ende geht. 

Zu Ende? Nein, ganz zu Ende ist es nicht, noch ist einiges zu tun. Der Rest Bart muss noch weg und dass wird noch länger dauern. Aber das größte ist geschafft. Und da bin ich jeden Tag froh und dankbar dafür das ich diesen Weg so gehen konnte. Für mich war das extrem wichtig. Und ich kann und werde da immer nur für mich und aus meiner Sicht sprechen. 



Sonntag, 21. März 2021

Die GaOP 2 Teil 1

 Die Zeit vergeht und schon sind 2 Monate und ein paar Tage seit der ersten großen GaOP vorbei. Die Vorbereitungen abgeschlossen, der Koffer mit viel zu viel Sachen gepackt, die Wohnung geputzt. Es kann also los gehen. Ich hatte 2 Wochen vor der OP das Bahnticket für den IC gekauft und ein Hotelzimmer im ICE Hotel im Hauptbahnhof in München gebucht. Die Nächte vor der Fahrt nach München hab ich relativ gut geschlafen, weil ich vom packen und Saubermachen ziemlich kaputt war. Einzig meine Schulter ließ mich zu früh aufwachen. Den Montagmorgen verbrachte ich mit den letzten Kleinigkeiten zuhause. Der Fernseher lief im Hintergrund, was da lief nahm ich nicht so recht wahr. Kurz nach 10 Uhr bestellte ich mir ein Taxi zum Bahnhof um 13 Uhr. Dann kam auch bald der Anruf der Klinik, das am Dienstag morgen um 6:30 in der Klinik sein sollte. Das Taxi kam pünktlich und immBahnhof hatte ich noch genug Zeit bis der ICE eintraf. Meinen Koffer in den Zug zu bringen war schon eine kleine Leistung, der wog stolze 27kg. Ich weiß, eindeutig zu viel... Der Zug kam nach ca. einer Stunde, wie der Zugbegleitet so treffend sagte mehr als pünktlich ab: wir waren ein paar Minuten zu früh. Ich ging gleich vom Bahnsteig durch den Bahnhof zum Hotel, checkte ein und brachte meinen Trolley in mein Zimmer. Dann ging ich von da aus in die Innenstadt. Dort lief ich durch die Fußgängerzone, vor bei an den vielen Geschäften, die zum Großteil zum ersten Mal wieder geöffnet hatten. Bei vielen standen die Menschen Schlange um einkaufen zu können. Ich lief bis zum Rathausplatz und weiter zum Odeonsplatz und ging dann kurz in den Hofgarten. Von da aus lief ich wieder Richtung Hauptbahnhof. Dort ging ich dann tatsächlich das erste mal seit Dezember wieder in ein Kaufhaus. Ich musste mich dafür kurz registrieren. Innen war es sehr leer. Nur wenige Kunden waren da, aber viel Personal. Ich gebe zu, es tat verdammt gut mal wieder richtig in einem Geschäft bummeln zu gehen. Gekauft hab ich allerdings nichts, auch wenn ich schöne Sachen gesehen habe. Aber ich hab einen so vollen Koffer dabei und nach der Zeit im Krankenhaus wird’s ja auch noch was geben.

Danach hab ich mir noch was zum Essen gekauft, das ich mir mit aufs Hotelzimmer genommen habe. Ich hab dann im Bett bis 22:30 ferngesehen und gut geschlafen. Mein Smartphone weckte mich um 4:15. Ich ging ins Bad, machte mich fertig. Gegen 5:45 zahlte ich das Zimmer und ging zum Taxistand. Ich erreichte die Klinik im kurz nach 6 Uhr. 

Weil ich ja etwas zu früh dran war durfte ich noch im Eingangsbereich Platz nehmen.


Dienstag, 9. März 2021

GaOP 2 - Coronatest und Packen

 Am Freitag, 5.2.2021 bin ich wieder einmal nach München Bogenhausen zum MVZ gefahren. Der letzte Pflichttermin vor der OP in der kommenden Woche. Ich durfte zum obligatorischen Corona Test. Ich bin ziemlich früh aufgestanden um keine Hektik vor der Fahrt zu haben. Dann war ich auch gut in der Zeit fertig und startete kurz vor 9 Uhr. Leider war das Wetter auf der Fahrt nicht so schön, es regnete und schneite (mehr Wasser als Schnee) fast die ganze Zeit. Dennoch brauchte ich nur 1:24 Stunden bis nach München. Ich fand einen Parkplatz gleich beim MVZ fast gegenüber der Klinik. Ich war über eine halbe Stunde vor dem Termin da und so blieb ich bis 10 vor 11 im Auto sitzen ins Ging dann zum MVZ. Ich musste kurz warten bis ich zur Anmeldung kam. Dann das ich vielleicht 2 min  im Wartezimmer und wurde schon zum Test aufgerufen. Da dann Mund auf, dann kam das lange Stäbchen und im Rachen ganz hinten wurde die Probe genommen. Ich werde am Montag nur informiert, wenn der Test positiv war. Alles in allem war ich nach vielleicht 5 Minuten ganz fertig und fuhr wieder zurück nach Hause. Samstag und Sonntag verbrachte ich mit Koffer packen, Wäsche waschen, putzen und aufräumen... weil ich die letzten zwei Nächte nicht gut geschlafen hatte, waren das ganz schön anstrengende Tage. Ganz fertig bin ich immer noch nicht....

Donnerstag, 4. März 2021

GaOP 2 - Vorbereitungen zuhause

 So langsam gehts zum Endspurt Richtung der 2. Geschlechtsangleichenden Operation - Koffer packen und so nen Kram. Ich hab mir vorgenommen. Diesmal nicht ganz so viel mitzunehmen wie für die 1. OP. Da war ich mit großem Trolley und Reisetasche. Und beide waren sehr voll, wie das bei mir üblich ist. Aber Zuhause hab ich gemerkt, dass da doch sehr viel dabei war, was ich nicht gebraucht hatte. Deshalb versuche ich das diesmal anders zu machen. Natürlich hab ich noch meine Packliste vom und die arbeite ich so nach und nach ab. Es soll ja diesmal auch ein viel kürzerer Aufenthalt werden. Gut, das ich bei der ersten OP sooo lange dort bleiben musste, hat auf das Gepäck keinen Einfluss gehabt, das mit den Nachthemden ging gerade so auf und bei den Gummibärchen hab ich mich extrem eingeschränkt. Da hab ich diesmal schon vorgesorgt, da sind genug mit dabei. Ja, ein paar andere wichtige Sachen hab ich soweit auch schon eingekauft, jetzt steht am Sonntag halt das Packen an...Das Hotel für die Nacht vor der OP ist gebucht, ebenso das Bahnticket.  

Diese Woche war ich noch in Sachen Restbart bei einer Hautärztin. In ihrer Praxis kann man die Elektroepilation machen. Jetzt steht zwischen ihr und mir nur noch die Krankenkasse als Hürde.  

Ach ja, fast hätte ich es ja vergessen, morgen fahre ich nach München zum Coronatest, das Wochenende wird dann eins ohne echte soziale Kontakte, heißt ich gehe nicht mehr raus und mach alles was wichtig ist, um mich nicht mehr anstecken zu können. 

Heute habe ich mich auf in die Innenstadt gemacht und zum ersten Mal in diesem Jahr war ich wieder einmal oben auf der Burg. Ich liebe den Blick über die Stadt von hier oben. Danach war ich in der Sebalduskirche. Auf dem Heimweg macht ich an einem Ziel halt, zu dem ich schon seit vielen Jahren einmal hin wollte, es aber noch nie geschafft hatte. Zum Zeltnerschloss. Das kenne ich noch aus Kindertagen, weil man es von der Eisenbahn aus gut sehen konnte. Es ist ein kleines Wasserschloss auf einer Insel im angestauten Goldbach. Leider ist der Zugang wegen Corona auch hier nicht möglich, aber immerhin konnte ich einmal über die Brücke bis zum Eingangstor gehen, ehe ich endgültig heim gefahren bin.


Freitag, 19. Februar 2021

GaOP 2 - Vorbereitungsgespräch

 Die Zeit vergeht und schon steht der nächste große Meilenstein an. Es sind 5,5 Monate vergangen seit der ersten großen GaOP am 4.9.2020. Zeit, die der Körper nach so einer schweren und großen Operation zum Heilen braucht. Tatsächlich ist noch nicht alles ganz und gar so ausgeheilt, wie man sich das wünschen würde, aber es braucht eben doch ziemlich lange. Keine Angst, es ist nichts großes und auch nichts was jetzt extrem weh tun würde, aber man merkt eben doch an ein paar Stellen, dass da eine OP war und das es eben nicht sofort alles so ist normal. Dennoch habe ich meine 2. GaOP Anfang März in München. Und aus diesem Grund fuhr ich gestern früh mit dem Auto zum Medizinischen Versorgungszentrum das zu der Klinik gehört zur OP - Vorbereitung. Ich hatte mir lange überlegt, ob ich mit dem ICE oder dem Auto fahren soll. Ich hab mich dann doch für das Auto entschieden, weil das Wetter war jetzt doch so, dass es ohne Probleme möglich war dort hin zu fahren, weil es in der Nacht starkes Tauwetter gab und die Straßen Schnee und Eisfrei waren. Auf der Fahrt dorthin bekam ich vom Belegmanagement der Klinik einen Anruf. Ich dachte schon - oh was ist denn jetzt, sagen die alles ab? Aber zum Glück nicht. Nein, sie teilten mir mit, dass ich aus organisatorischen Gründen jetzt in der zur gleichen Krankenhausfirma gehörenden Klinik in München Pasing operiert werde. Ist ja kein Problem, ist halt nur auf der anderen Seite von München, aber da ich aus Nürnberg mit der Bahn komme ist das eh egal. Was nicht ganz so schön ist, dass ich erst am Tag vorher erfahre, wann ich in die Klinik darf, weil erst einen Tag vorher der OP Plan gemacht wird. Im Moment sieht es so aus, dass ich um 6:30 in der Klinik sein muss. Da kann ich die Bahnfahrt am gleichen Tag nach München vergessen, weil es natürlich keinen Zug gibt, der so früh in München ankommt, dass ich rechtzeitig in der Klinik bin. Ich muss so wohl oder üble für eine Nacht in ein Hotel ziehen. Was für eine Geldverschwendung. Aber ok ist halt so und gut, es gibt schlimmeres. 

Nach 1:45 Stunden kam ich in Bogenhausen an, der Verkehr auf der Autobahn und in der Stadt München war sehr ruhig. Ich fand in der Nähe der Klinik einen Parkplatz und hatte noch ca. 45 Min Zeit bis zum Termin. Die Zeit verging schnell und ich ging zum MVZ, vorbei an der Klinik, in der ich vor fünfeinhalb Monaten operiert wurde. Etwas wie ein leicht sentimentales Gefühl kam in mir auf, hab ich doch daran hauptsächlich gute Erinnerungen.

Bei der Anmelung im MVZ erhielt ich gleich wieder ein paar Unterlagen und den Bogen mit den Krankenhausaufklebern, auf denen meine Daten stehen und die auf praktisch alles was mich in der Klinik betrifft geklebt werden. Dann durfte ich in den 2. Stock. Hier bekam ich einen Fragebogen zum ausfüllen und einen Becher für die Urinprobe. Ich hängte erstmal meine Jacke in die Gaderobe, bevor ich mit dem Becher in der Toilette verschwand. Ich war ja so froh, dass ich diese Urinprobe abgeben durfte, weil sich meine Blase schon vor einer ganzen Weile gemeldet hatte. Danach füllte ich den Fragebogen im Wartezimmer aus. Ich wartete dann nur noch ein paar Minuten und dann wurde ich auch schon von einer Assistenzärtin der Urologie abgeholt. Es folgte ein gutes Gespräch, wie es mir geht, was mir aufgefallen ist und wo ich Problemchen habe. Dann durfte ich mich auf die Liege legen und weiter ging es mit der Ultraschalluntersuchung der Blase, Prostata und der Nieren. Soweit alles gut. Dann gingen wir in den Untersuchungsraum und rauf auf den Gynstuhl. Sie sah sich alles genau an und holte dann Dr. Markovsky hinzu. Er hatte mich ja im September operiert. Dann erklärte er mir wieder alles sehr ausführlich und einfühlsam was gemacht werden wird, wo was warum nicht gemacht werden kann und welche Risiken es geben kann. Was mich sehr gefreut hat ist, dass es nicht nötig ist, etwas an der Optik zu ändern. Alles ist schon bei der ersten OP gelungen. Das ist so schön, bestätigt zu hören, mit was man selbst schon so zufrieden war. Ich hätte früher eh nie gedacht, dass ich mal mit mir so zufrieden sein werde.

Das Gespräch und die Untersuchung von Dr. Markovsky haben mir auch nochmal bestätigt, dass es für mich genau die richtige Entscheiung war, von ihm die Operation machen zu lassen.

Nach dieser Untersuchung ging ich mit der Assistenzärztin wieder zurück in ihr Zimmer. Sie schrieb alles auf was bei der Korrektur OP gemacht werden wird und erklärte es mir auch nochmal kurz. Dann erhielt ich davon eine Kopie und durfte in den 3. Stock wo es mit dem Blutabnehmen weiter ging. Das ging ziemlich schnell, danach wartete ich ein wenig auf die Narkoseärztin. Sie holte mich dann ab und wir gingen einen weiteren Fragebogen durch. Ich erzählte ich dann noch meine Erfahrungen mit den Schmerzmittelen an den ersten Tagen nach der ersten OP. Ich hatte da ja nicht so gut auf die Schmerzmittel in den Tropfern angespochen, bis sie das richtige Mittel für mich fanden. Dann waren wir auch schon fertig. Ich bekam noch Kopien für meine Unterlagen und andere Unterlagen, die ich am Empfang abgeben durfte. Dort unten durfte ich dann noch weitere Formulare ausfüllen und x mal unterschreiben. Das waren Formulare, die ich das letzte mal beim Einchecken in die Klinik ausfüllen musste. Ich finde das gut, dass das diesmal vorher ist, weil es die Zeit beim einchecken deutlich verkürzt. Danach gab es noch ein kurzes Gespräch dazu und dann war ich fertig mit der OP Vorbereitung. Als ich auf die Uhr sah war ich total überrascht. Es war 13 Uhr. Wow, wie zwei Stunden so schnell vergehen können. Ich lief zurück zum Auto und machte mich auf die Heimfahrt. Nach 1:45 Stunden incl. Aufenthalt bei einem Hamburgerrestaurant, bei dem ich mir was zum Essen mit nach Hause nahm, war ich wieder daheim.

Damit sind es jetzt noch 3 Wochen warten bis zur OP. Vorher fahre ich noch einmal am Freitag vor der OP zum MVZ zum Coronatest. Weitere Untersuchungen brauche ich nicht mehr machen zu lassen. 

Nun ich weiß, wie schnell drei Wochen vor der OP vorbei gehen können. Ich fange dann schon mal an meine Packliste durch zu gehen, groß was dafür einkaufen muss ich nicht, halt nur raus suchen und einpacken.